Gift in unseren Lebensmitteln: Ethylenoxid

Ethylenoxid – das versteckte Gift

Bei einem deiner letzten Einkäufe hätte dir der Stoff Ethylenoxid begegnen können. Im besten Fall auf einem Zettel einer Rückrufaktion, im schlimmsten Fall in einem oder mehreren Lebensmitteln, die du gekauft hast. Letzteres ist mir vermutlich selbst passiert.
Doch jetzt erstmal von Anfang an: Was ist Ethylenoxid und wo genau liegt das Problem?

Was ist Ethylenoxid?

Ethylenoxid ist ein farbloses und hochentzündliches Gas. Dieses ist in der Lebensmittelproduktion in der EU verboten, wird jedoch zur Bekämpfung von Pilzen und Bakterien in Drittstaaten eingesetzt. In Deutschland wurde es bereits 1981 verboten und in der EU ist es seit 1991 in Pflanzenschutzmitteln verboten. Ethylenoxid ist hochreaktiv, wirkt krebserregend und erbgutverändernd.

Das Problem mit Ethylenoxid

Ethylenoxid wurde bereits 2020 in Sesamprodukten nachgewiesen. Mittlerweile ist bekannt, dass auch große Mengen des Zusatzstoffs E410 (Joahnnisbrotkernmehl) mit Ethylenoxid belastet sind. Johannisbrotkernmehrl wird als Verdickungsmittel und Stabilisator in einer Vielzahl von Lebensmitteln verwendet, wie z.B. Speiseeis, rote Grütze, Desserts, Konfitüren, Nahrungsergänzungsmitteln oder Fleisch- und Backwaren.
Die Bundeszentrale für Risikobewertung (BfR) schreibt in einer Erklärung vom 01. September 2021, dass eine EU-Neubewertung bestätigt habe, dass Ethylenoxid als erbgutveränderndes Kanzerogen ohne Schwellenwert zu betrachten sei und ein gesundheitsbasierter Referenzwert ohne Gesundheitsrisiko daher nicht definiert werden könne. (https://www.bfr.bund.de/cm/343/gesundheitliche-bewertung-von-ethylenoxid-rueckstaenden-in-sesamsamen_final.pdf. | Seite 4). Dies bedeutet, dass Ethylenoxid in keiner Menge in Lebensmitteln vorhanden sein darf, da es keinen Schwellenwert bedarf, um ein Gesundheitsrisiko darzustellen. Dies gilt neben Ethylenoxid auch für sein Abbauprodukt 2-Chlorethanol, auch wenn hier die Datenlage noch nicht eindeutig ist.

Wie kommt Ethylenoxid in unser Essen?

Auch wenn die Lebensmittel in der EU hergestellt werden, kommen diverse Zutaten aus nicht EU-Staaten. In diesen Ländern ist Ethylenoxid z.B. als Desinfektionsmittel erlaubt, wie zum Beispiel in der Türkei. Das Labor des Chemischen- und Veterinär- Untersuchungsamtes CVUA in Stuttgart hat seit den ersten Funden in Sesam ein Verfahren entwickelt mit dem sich das Toxin schneller nachweisen lässt. Seitdem haben sie mehr als 800 Proben untersucht und erschreckende Erkenntnisse gewonnen. So waren deutlich mehr Proben als erwartet kontaminiert und dies zum teil in deutlich höheren Mengen als üblich. Dr. Florian Hägele vom CVUA sagt, dass sich aktuell nicht abschätzen ließe, ob dies erst die Spitze des Eisberges sei und wie groß der Kreis der betroffenen Produkte noch sein wird. (https://www.swrfernsehen.de/marktcheck/ethylenoxid-lebensmittel-100.html)
Mittlerweile wurde Ethylenoxid auch in Guarkernmehrl (E412), Amaranth, Moringa und Flohsamenschalen nachgewiesen.

Weitere Probleme mit Ethylenoxid - insbesondere in Deutschland

Lebensmittel bzw. deren Rohstoffe wie Johannisbrotkernmehl werden beim Import in Deutschland nur Stichprobenartig untersucht. Dies hat zum Beispiel dafür gesorgt, dass von den 360 Tonnen Joahnnisbrotkernmehl, die letztes Jahr  aus der Türkei nach Deutschland importiert wurden bereits viele verarbeitet sind. Johannisbrotkernmehl aus der Türei gilt als besonders belastet.
Während in anderen EU Staaten reihenweise Produkte zurückgerufen werden, ist die Menge in Deutschland im Vergleich sehr gering.
 
Vielleicht erinnerst du dich an meine Vermutung vom Anfang, dass auch bei uns zu Hause belastete Lebensmittel verzehrt wurden. An ungemütlichen Tagen gehe ich manchmal mit dem Minimädchen zum naheliegenden Supermarkt, den du dir eher wie einen „Tante Emma Laden“ vorstellen kannst und kaufe uns ein Stückchen Kuchen. Mit der Zeit hat es sich eingeschlichen, dass wir gerne zu unserem Kuchen rote Grütze essen. Zuletzt vor gut drei Wochen. Bei meiner Recherche für diesen Artikel stieß ich nun eben auf genau diese rote Grütze als eins der wenigen Produkte, die mittlerweile in Deutschland aufgrund von Ethylenoxidbelatung zurückgerufen wurden. Das ich dabei ein flaues Gefühl im Magen bekommen habe, kannst du dir sicher vorstellen. Ob belastet oder nicht, das kann ich nicht sagen, dennoch ist der Verdacht mit Blick auf das Mindesthaltbarkeitsdatum und der damit verbundenen Chargennummer naheliegend.
 
Hier liegt das weitere Problem: Während andere Länder wie Frankreich oder Luxemburg hunderte Produkte öffentlich zurückrufen, sieht die Lage in Deutschland deutlich schlechter aus. Laut foodwatch.org wurden in Frankreich seit Anfang Juni mehr als 1000 Eis-Produkte öffentlich zurückgerufen. In Deutschland lediglich in sechs Fällen. Insgesamt wurde in Frankreich mehr als 3600 Chargen von Produkten wegen Ethylenoxid-Belastung zurückgerufen, in Deutschland lediglich rund 50 (Stand 06.09.2021).
 
Hier findest du eine Liste mit allen in Frankreich, Deutschland, Slowenien, Italien, Luxemburg, Polen, Österreich und den Niederlanden zurückgerufenen Lebensmitteln. Beim Klick auf das Land wirst du auf die entsprechende Seite weitergeleitet.

Was du jetzt tun kannst, um dich und andere zu schützen

Koche frisch und nutze hierfür unverarbeitete Lebensmittel, verfolge weitere Rückrufaktionen und unterzeichne die Petition von Foodwatch. Achte außerdem auch bei (unverarbeiteten) Bioprodukten darauf, dass diese aus der EU stammen. Kaufe regional und saisonal.

Love and rock on, 

deine Luisa

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